Aktuelle Preisträger

Schweiz:
Hazel Brugger

Mit Hazel Brugger, geboren 1993 in San Diego, Kalifornien, aufgewachsen in Zürich, steht ein fieser Charakter auf der Bühne. Als Kabarettistin, Slam Poetin oder Moderatorin eigener Talk-Shows seziert Brugger mit chirurgischer Präzision jene Weichteile unserer Gesellschaft, die man nur mit viel schwarzem Humor trifft. Das Sprachtalent Hazel Brugger hat eine Blitzkarriere hinter sich. Sie schreibt mitleidlose Kolumnen, gewinnt die Schweizer SlamPoetry Meisterschaft, einen Nachwuchsjournalistinnen-Preis und tourt aktuell mit ihrem Bühnenprogramm «Hazel Brugger passiert» durch den ganzen deutschsprachigen Raum.

Eine anschwellende Fangemeinde kennt sie mittlerweile aus der «heute-show» im ZDF, aus «Nuhr im Ersten» oder aus der «Anstalt». Niemand möchte den Moment verpassen, wenn sich ihr lakonischer Zynismus in süsssaure Poesie auflöst. Seit ihren ersten Auftritten 2010 ist Hazel Brugger fürs Kabarett sehr schnell unverzichtbar geworden, und deswegen wurde sie von der Jury einstimmig zur Gewinnerin des Schweizer Salzburger Stiers 2017 erklärt.

Österreich:
Hosea Ratschiller & RaDeschnig

Hosea Ratschiller, Jahrgang 1981, kommt ursprünglich aus der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt. Spätestens seit der Geburt seiner Tochter ist er aber überzeugter Wiener. Als österreichischer Humorexperte mit Nachhaltigkeitsgarantie haben ihn schon immer innovative Satire-Experimente interessiert. Seine humoristische Laufbahn beginnt im «Club Karate», einer satirischen Wochenrevue auf dem freien Radiosender Orange. Nach Auftritten in Wettcafés, Fußgängerzonen und Diskotheken wird Hosea Ratschiller 2003 österreichischer Meister im Poetry Slam und bald darauf «Ombudsmann» im Jugendsender FM4. «Liebe Krise» ist der Titel seines ersten Soloprogramms, das er 2009 vorstellt. Gemeinsam mit Martin Puntigam entwickelt er im selben Jahr das Radiosatire-Magazin «Welt Ahoi!», das die 1978 von Gerhard Bronner und Peter Wehle aus der Taufe gehobene Kabarettsendung «Guglhupf» ablöst und für knapp 14 Monate jeden Sonntag im Radiosender Österreich1 ausgestrahlt wird. Hosea Ratschiller bringt weitere Soloprogramme auf die Bühne, wie «Das gehört nicht hierher», «Heute: Hosea Ratschiller» und «Doppelleben».

Der Ausspruch des Kaiserenkels Karl Habsburg, der im Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg gemeint haben soll: «Natürlich ist auch bei uns nicht alles optimal gelaufen», inspiriert den Kabarettisten, Kolumnisten und Moderator Ratschiller zu einem Protokoll über den allerletzten Tag der Menschheit: Österreich an einem heißen Sommertag, das nahende Ende liegt in der Luft und das von Karl Kraus beschrieben «österreichische Antlitz» zeigt sich in seiner Vielfalt und in seiner Hässlichkeit.

Hosea Ratschiller beschreibt in seiner Collage «Der allerletzte Tag der Menschheit (Jetzt ist wirklich Schluss!)» voll Ironie und schwarzem Humor, wie diese allerletzten 24 Stunden in Österreich verlaufen könnten. Und dafür erweckt er 43 höchst unterschiedliche Charaktere zu einem äußerst bühnenwirksamen Eigenleben. Eine in jeder Hinsicht fabelhafte Satire zum Zustand des Wesens «Österreich», die mit intelligentem Witz, scheinbar spielerisch, die Abgründe in unserer Gesellschaft und Gegenwart aufspürt.

Für die himmlischen Gesänge in dieser satirischen Revue sorgen die Zwillingsschwestern Birgit und Nicole Radeschnig. Mit Hosea Ratschiller verbindet sie die Kärntner Herkunft und die Vorliebe für höllischen Humor. Nach einem Studium am Konservatorium der Stadt Wien für musikalisches Unterhaltungstheater wenden sich die beiden Schauspielerinnen und Sängerinnen bald dem Kabarett zu. 2010 werden sie mit dem Grazer Kleinkunstvogel ausgezeichnet, also Duo RaDeschnig bringen sie drei eigenen Kabarettprogrammen auf die Bühne und wirken bei diversen Satire-Projekten. Seit 2014 sorgen sie auch für den Sound beim allerletzten Tag der Menschheit.

Hörprobe:

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Künstler-Website:
http://www.helmut-schleich.de

Deutschland:
Helmut Schleich

Helmut Schleich ist eine der markantesten Grössen in der deutschsprachigen Kabarett-Landschaft. Egal ob auf der Bühne, in Radio-Kolumnen oder als Gastgeber seiner TV-Sendung «SchleichFernsehen» – der 1967 in Schongau geborene Künstler verbindet scharfe politische Satire mit höherem Unfug und eindrucksvollem Typenkabarett.

Helmut Schleich ist eine Rampensau im besten Sinne. Kaum einer wütet und verausgabt sich auf der Bühne so leidenschaftlich wie er. Mit bestechender Wandlungsfähigkeit schlüpft der begnadete Parodist in die aberwitzigsten Rollen und zieht dabei alle satirischen und schauspielerischen Register. Ob bayerischer Bierdimpfl oder fränkischer Amokschütze, ob cholerischer Stammtischprolet oder hochanständiger Spekulant, ob Papst, Putin oder Trump, ob Märchenkönig Ludwig II. oder Chefreporter Traugott Sieglieb – Schleich verkörpert all diese Charaktere so lebensecht, dass es dem Zuschauer schier den Atem verschlägt. Kultstatus besitzt Schleichs Parodie des bayerischen Übervaters Franz Josef Strauss: Wenn der Hals im Jackett verschwindet und der Körper rhythmisch zu hüpfen beginnt, dann ist die Illusion perfekt. Als satirischer Wiedergänger rechnet Helmut Schleich nicht nur mit der Politik der bayerischen Staatsregierung ab, er nimmt die ganze Welt in den Blick und lässt sein Publikum Tränen lachen.

Auch in seinem aktuellen Bühnensolo «Ehrlich» weiss Helmut Schleich sein komödiantisches Talent mit satirischen Spitzen, genauen gesellschaftlichen Beobachtungen und treffenden weltpolitischen Analysen zu verbinden – und natürlich schöpft er dabei einmal mehr aus seinem umfangreichen Figuren-Panoptikum: Angriffslustig wie nie referiert der streitbare Polit-Polterer Heinrich von Horchen über die Demokratiedefizite in der EU, der Präsident einer dubiosen russischen Teilrepublik wirbt für sein gleichermassen dubioses Demokratieverständnis, und der Auftritt von Franz Josef Strauss windet sich in satirische Höhen, wenn Schleich den bayerischen Landesvater zu etwas nötigt, was Politikern oft unangenehm ist: zur Ehrlichkeit.

Begonnen hat Helmut Schleich seine Karriere 1983 im Ensemble «Kabarett Fernrohr» mit Andreas Rüttenauer und Christian Springer. Seine preisgekrönten Soloprogramme «Brauereifrei», «Das Auge isst man mit», «Mutanfall» und «Der allerletzte Held» gelten als Meilensteine des Typenkabaretts, «Nicht mit mir» wurde 2013 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte «Kabarett» ausgezeichnet. Nebenbei hat Helmut Schleich immer wieder aussergewöhnliche Projekte auf den Weg gebracht: Von 2007 bis 2010 veranstaltete er auf einem Schiff auf dem Chiemsee den kabarettistischen Heimatabend «Gamsbart Ahoi». Zum 125. Todestag Ludwigs II. präsentierte er auf Schloss Herrenchiemsee die satirische Krönungsfeier «Ludwig IV. – Ein echter König geht nicht unter». Seit 2011 empfängt er als Gastgeber seiner Sendung «SchleichFernsehen» im Bayerischen Fernsehen namhafte Kollegen aus der Kabarettszene. Schleich selbst wiederum ist regelmässig zu Gast in satirischen Sendungen wie «Schlachthof», «Mitternachtsspitzen» oder «Grünwald Freitagscomedy». Darüber hinaus engagiert er sich beim Münchner Wettbewerb «Kabarett Kaktus» gemeinsam mit Christian Springer schon seit vielen Jahren für den Kleinkunst-Nachwuchs.