Salzburger Stier

2022

Preisträger:innen

Omar Sarsam ist Kabarettist und Kinderchirurg: zwei anspruchsvolle Vollzeitbeschäftigungen, denn sowohl auf der Bühne als auch im Operationssaal muss er sein Bestes geben. Diese Herausforderung lässt ihn zur Höchstform auflaufen.

Omar Sarsam, Jahrgang 1980, ist ein Araber aus Wien: geboren im Nobelbezirk Döbling, sozialisiert in den Arbeiterbezirken der österreichischen Bundeshauptstadt. Sein Familienstammbaum ist weitverzweigt und reicht von Wien über Kroatien bis in den Irak. Diese Herkunft beflügelt ihn auch zu einem sehr ironischen Umgang mit klassischen Klischees gegenüber dem Fremden.

Als Solokabarettist ist Omar Sarsam seit 2016 aktiv. Soziokulturellen Besonderheiten war er immer auf der Spur – im arabischen Restaurant seines Vaters ebenso wie im Waldviertel, der rauen Heimat seiner Frau im Nordwesten Österreichs. Der Kabarettist beherrscht mehr Musikinstrumente, als er tragen kann. Seine Bühnenprogramme sind vom Arztberuf inspiriert, von heiterer Gelassenheit getragen und facettenreich in der musikalischen Gestaltung.

«Die Dosis macht das Gift», sagt Omar Sarsam. Für ihn verträgt sowohl die Medizin eine gute Dosis Humor als auch das Kabarett einen ordentlichen Schuss Ernsthaftigkeit.

Auf der Bühne will er seinem Publikum zumindest zwei Ängste nehmen: die Angst vor dem Arzt und vor dem Unbekannten. Ein Auszug aus Omar Sarsams Ambulanz-Protokollen: «Ich habe vor 6 Tagen einen Eiswürfel verschluckt und der ist bis jetzt noch nicht herausgekommen.»

Luise Kinseher ist eine wandlungsfähige Vollblutkabarettistin und vereint philosophischen Tiefgang mit politischer Schärfe und absurdem Witz. Seit 1998 steht sie auf der Bühne und hat über die Jahre nicht nur eine kraftvolle Bühnenpräsenz, sondern auch ihren eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt: Sie ist intelligent und saukomisch, menschlich anrührend und klar analysierend, bodenständig und weltoffen.

In ihren Soloprogrammen setzt sie sich mit grundsätzlichen Fragen und unerschöpflichen Themen auseinander: Was ist Glück? Was ist Freiheit? Warum brauchen wir eine Heimat? Wie behalten wir in dieser multimedial beschleunigten Zeit den Blick fürs Wesentliche? Luise Kinseher bricht die großen Fragen der Menschheit auf das Alltägliche herunter. Sie wirft schräge Blicke auf das Leben an sich und hinterfragt die Entgleisungen des Lifestyles im Besonderen. Sie besitzt den Mut, unerschrocken in die Tiefe zu denken – um ihre Gedanken im nächsten Schritt ins Absurde zu drehen. Dabei hilft ihr ein skurriles, aber liebevoll gezeichnetes Figurenpersonal: die stets betrunkene Bierstüberl-Existenz «Mary from Bavary» und die vom Leben gestreifte Rentnerin «Helga Freese».

Von melancholischer Schwermut durchdrungen ist auch ihre wohl bekannteste Figur: Als «Mama Bavaria» hat Luise Kinseher auf dem Münchner Nockherberg eine Männerbastion erobert. Acht Jahre lang las sie als erste und bislang einzige Fastenpredigerin der deutschen Politprominenz die Leviten – meinungsstark und aus einer weiblichen Perspektive.

Wenn Fatima Moumouni und Laurin Buser die Bühne in Beschlag nehmen, steigt der Blutdruck des Publikums: (Rap-)Texte voller sprachlicher Geistesgegenwart, Attacken auf Denk- und Sprechgewohnheiten, feine Selbstironie und lyrische Explosionen. In einer Zeit voller abergläubischer Querdenker und überholter kolonialistischer Geschichtsbilder alter weisser Männer ist dieses Bühnenduo Gold wert. «Gold» heisst auch ihr jüngstes Bühnenprogramm, mit dem das Duo seit zwei Jahren auf Tour ist. 2019 gewannen die beiden als Team «Zum Goldenen Schmied» sowohl den Teamwettbewerb der Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam als auch die internationalen deutschsprachigen Meisterschaften.

Die studierte Sozialanthropologin Fatima Moumouni, noch keine 30, geboren in München, lebt in Zürich, schreibt Prosa, Lyrik und kabarettistische Texte und engagiert sich gegen Rassismus sowie in Migrations- und Genderfragen. Laurin Buser stammt aus Basel und gewann schon mit 15 Jahren die Schweizer U20-Slam-Meisterschaften. Er arbeitet als Rapper, Moderator, Theaterautor und wirkte u. a. beim vielbeachteten deutschen Webvideo-Format «Jäger & Sammler» mit. 2015 begannen Fatima Moumouni & Laurin Buser zusammen aufzutreten, überwältigen seither mit theatraler Spielfreude, hosten gemeinsam Talks wie jüngst das SRF-Format «Tabula Rasa», schreiben Theaterstücke oder veröffentlichen Songs als Rapcombo «Nuggets».

Weil Fatima Moumouni & Laurin Buser mutmachende Vertreter:innen einer engagierten neuen Bühnen-Generation sind, wurde dem Duo, dessen satirische Wortschmiedekunst längst über die Grenzen des Poetry Slam hinausragt, der Salzburger Stier 2022 von der Schweizer Jury einstimmig zugesprochen.

Galaabend

Preisträgerabend